Wieso man sich nicht immer an Regeln halten sollte

In diesem Post habe ich gesagt, dass man als Autor am besten eine bestimmte Plotstrukur anstreben sollte. Doch wie immer gibt es auch Ausnahmen zu dieser Regel. Wichtig ist nur, dass man sich bewusst dazu entscheidet, die Ausnahme zu sein und nicht die Regel.

Habt ihr schonmal darüber nachgedacht, warum die Mortal Instruments Serie so gut ist? Und warum Band 1 und 6 der Serie die besten Bücher der Serie sind?

Ja, sicher, Clare hat einen tollen Schreibstil und hat unglaublich liebevolle, eigenwillige und individuelle Charaktere. Doch was ich am besten in ihren Büchern fand, war, dass sie gleich groß starten.

Nochmal zum Verständnis:

Die „normale“ Plotstruktur sieht ja vor, dass es ein einleitendes Ereignis gibt. Dann wird meist noch jede Menge Hintergrundinformation dargestellt, Charaktere entwickelt usw. Dann kommt meist nach der Hälfte des Buches der Wendepunkt. Wenn alles so langsam den Bach runtergeht. Dann kommt der Punkt, wo alles so richtig, richtig schlimm aussieht. Und zuletzt findet unser Held doch noch auf überraschende Weise eine Möglichkleit, alles zum guten zu wenden. Die Auflösung.

Ihr merkt schon: Bei der „normalen“ Strukter fängt die Action eigentlich erst nach der Hälfte des Buches so richtig an. Und erst gegen Ende wird es dann so richtig schön spannend.

Was hat Cassandra Clare gemacht?

Clare hat es in ihrem Buch ein bisschen anders gemacht. Im ersten Kapitel lernen wir Clary kennen. Sofort erleben wir das auslösende Ereignis. Zunächst versteht sie nicht, was sie sieht. Doch nur wenige Seiten weiter lernt sie die Welt der Shadowhunter kennen.

Bei dem ersten Buch von Clare (und auch beim 6.) fallen auslösendes Ereignis und Wendepunkt fast zusammen. Das ganze Buch ist dann wie eine Abwärtsspirale bis es endlich doch noch eine Lösung gibt.

Clare hat sich aber ganz bewusst dazu entschieden, es so zu machen. Weil es zum Buch und zur Story passt und weil sie die benötigte Hintergrundinformationen immer wieder während des Buches einbringt.

Aber es geht auch anders herum

Habt ihr schon einmal Downton Abbey gesehen? Hach ja, ich bin leider kein allzu großer Fan von historischen Romanen, aber ich kann mir vorstellen, dass sie, genau wie die Serie, sehr langsam köcheln und erst kurz vor Ende überkochen.

Versteht ihr was ich meine? Der Wendepunkt wird sehr viel weiter nach hinten geschoben, als es „normalerweise“ gemacht würde. Weil die Beziehungen komplizierter sind und die Vorgeschichten der Charaktere zu der Spannung beitragen.

Wieder klappt es nur, weil es zur Story passt. In einer anderen Geschichte könnte man sich langweilen, wenn es erst so spät zum Wendepunkt kommt, aber weil die Hintergrundinformationen so entscheidend sind, funktioniert es hier.

Was ist schon normal?

Ihr seht, ich habe das Wort normal immer in Anführungszeichen gesetzt. Denn „normal“ hängt ganz stark von eurem Genre ab, eurer Story und dem, was eure Leser von euch erwarten. Aber es ist immer hilfreich erst das „normal“ zu kennen, bevor man sich überlegt, ob es zu dem eigenen Buch passt und ob man von „normal“ Abstand nehmen sollte.

Wie seht ihr das? Erkennt iht in eurem Lieblingsgenre eine „normale“ oder übliche Erzählstruktur? Und kennt ihr ein Buch, wo diese bewusst anders gehalten wurde?

 

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